Start der Goalball Bundesliga 2016 – Der Hallensprecher stimmt in die Saison ein

Das spannende Goalball-Jahr 2016 hat bereits mit Trainingslehrgängen und internationalen Turnieren begonnen. Es steht natürlich im Zeichen der Paralympics, an denen die deutschen Herren teilnehmen werden. Eine große Chance für den Goalballsport in Deutschland, die unbedingt genutzt werden muss. Während dessen startet die Bundesliga in ihre dritte offizielle Saison. Einige neue spannende Konstellationen wurden geschaffen, ganz oben an der Spitze bleibt der große Titelfavorit jedoch der alte.

Wie wichtig die Bundesliga im großen Paralympics-Jahr letztendlich sein wird, bleibt abzuwarten. Man kann das ganze von zwei Seiten betrachten. Auf der einen kann es sich qualitativ sicherlich auch in der Liga bemerkbar machen, dass das Nationalteam einmal im Monat über mehrere Tage intensiv zusammenarbeitet, um gut in Rio abzuschneiden. Andererseits ist die Frage, wie viel Fokus letztendlich dann noch auf dem Alltag in der Bundesliga liegt. Nationaltrainer Johannes Günter wird an keinem der fünf Spieltage selbst anwesend sein. Auch er wird sich vor allem auf das konzentrieren, was er von seinen Spielern auf Lehrgängen und bei Wettkämpfen im Nationaldress zu sehen bekommt. Zumal die Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Bundesligateams weiterhin groß sind und die Spitzengruppe in diesem Jahr nur aus drei Teams besteht. Wirklich gefordert werden die meisten Nationalspieler also nur in ungefähr der Hälfte ihrer Saisonpartien sein.

Marburg, Chemnitz und Rostock. Das sind die drei Mannschaften, die die stärksten Spieler in ihren Reihen haben und die für die ersten drei Plätze in Frage kommen. In Rostock wurde mit Neuzugang Thomas Steiger eine Lücke geschlossen und der Blick richtet sich in der Tabelle zu recht nach oben. Steiger, Tiede und Friebel, diese drei klangvollen Namen werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Startformation bilden.

Für ganz oben wird es in dieser Saison noch nicht reichen. Dazu müssten sich grundsätzlich ein paar Dinge an der Ostsee ändern. Die Außendarstellung ist in meinen Augen fragwürdig und ist gefährlich für die Leistungen eines jeden Spielers. Der Titelgewinn beim Ostdeutschen Pokal wurde übertrieben gefeiert, obwohl alle anderen teilnehmenden Teams und vor allem Chemnitz nicht in Bestbesetzung antreten konnten. Hinzu kommen die lauten „Jubel-Orgien“ bei erzielten Toren, die nur Kraft kosten und mit Sicherheit nicht förderlich für die Konzentration sind. Vor allem in einer Sportart wie Goalball, wo einige Treffer pro Spiel fallen und beispielsweise ein Vorsprung von drei Toren zur Pause noch gar nichts bedeutet. Rostock wird in der Spitzengruppe mitmischen, aber am Ende sehe ich sie auf Rang Drei.

Bleiben noch zwei Teams, denen ich den Meistertitel wirklich zutraue: Marburg und Chemnitz. Bei den Marburgern bleibt alles beim Alten und damit werden sie auch weiterhin nur schwer zu stoppen sein. Feistle und Vestweber als „Felsen in der Brandung“ und dazu wahlweise Otto, Harz oder Kucksdorf. Diese Mischung hat die Mittelhessen in den letzten Jahren ausgemacht. In Chemnitz ist inzwischen aber ebenfalls eine tolle Truppe herangereift, die die Unbesiegbarkeit der Marburger im vergangenen Oktober beim Ligapokal zu Nichte gemacht hat. Hörauf, Burghardt und Selmanovic bilden eine starke Einheit, die immer besser wird und ihren Zenit noch lange nicht erreicht hat. Es war das beste Jahr in der Chemnitzer Vereinsgeschichte und ich traue ihnen zu, das mit dem Meistertitel noch einmal zu toppen. Dafür muss aber alles passen und es braucht mindestens einen Punktgewinn im direkten Duell mit der SSG Blista Marburg.

Hinter den top drei klafft eine größere Lücke zu den Mannschaften aus Königs Wusterhausen, Dresden und Nürnberg. Diese drei werden um die Plätze Vier bis Sechs kämpfen. Eine gute Rolle kann dabei der Aufsteiger aus Dresden spielen. Mit Schreck, Daniel Friebel und Inaev steht den Sachsen eine passable Startformation zur Verfügung. Beim Ostrivalen KW braucht es nach den Abgängen von Lehmann und Schreck einen Neuanfang. Hawranke und Schmidt sind die beiden erfahrenen Stützen, das alleine wird aber wahrscheinlich nicht reichen, um Platz Vier am Ende zu erringen. Auch in Nürnberg hat man mit Thomas Steiger einen schmerzhaften Abgang zu verkraften. Die Franken waren jedoch in der Vergangenheit immer dafür bekannt, dass junge Spieler erfolgreich herangeführt wurden und man dementsprechend Lösungen finden konnte. Am Ende ist Platz Fünf möglich.

Schwer auszurechnen sind die „Jungen wilden“ aus Neukloster. Mit Sicherheit werden sich die Herren Lehmann, Maaß und Mai weiterentwickeln und immer stärker werden. Spielen die Mecklenburger eine für ihre Verhältnisse perfekte Saison, können sie vielleicht noch auf Platz Fünf oder Sechs schielen. Realistisch ist aber Rang Sieben mit der Tendenz nach oben. Schwer werden es auch 2016 die Dortmunder haben. Man konnte sich mit Natasha Bretzke verstärken, aber das wird nicht reichen, um die rote Laterne abzugeben.

Insgesamt bietet die kommende Bundesligasaison unter dem Einfluss der Paralympics genug Gründe, sie intensiv zu verfolgen und als Hallensprecher regelmäßig durchzudrehen. Wenn dabei auch die öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung für Goalball noch größer wird, könnte 2016 ein perfektes Jahr werden. Dazu müssen allerdings alle Spieler, Teams und Verantwortlichen an einem Strang ziehen. Eigene Facebook-Seiten, wie bei den Nationalspielern Tiede, Feistle und Steiger unlängst geschehen, tragen meiner Meinung nach nicht wirklich dazu bei. Anstatt missverständlicher Selbstdarstellung muss das Miteinander im Fordergrund stehen. In diesem Sinne: Nichts für ungut und bis bald auf und neben dem Goalball-Feld.

Es war mir ein Fest!

Kevin Barth

Hallensprecher der Goalball Bundesliga