Rio-Goalball-Guide Teil 5: Zusammenfassung des fünften Wettkampftages bei den Paralympics 2016

Der fünfte Wettkampftag im Goalball bei den Paralympics neigt sich dem Ende zu. Nun ist es an der Zeit aufzuarbeiten, was heute so passiert ist; denn es ist eine ganze Menge passiert:

Gleich das erste Spiel des Tages sollte ein starkes Spiel werden. Es kam zum „Europa-Derby“ zwischen den deutschen Goalball-Herren und den Schweden. Für die Mannschaft um Trainer Johannes Günther war dies die Möglichkeit, den Einzug ins Viertelfinale mit einem Sieg fest zu machen. Doch es ging nicht gut los für unsere Jungs. Kaum eine Minute ist gespielt und da schlägt es schon im deutschen Kasten ein; 1:0 die Führung für Schweden. In den folgenden Minuten drückten die Deutschen das Tempo hoch, versuchten schnelle Kontergegenstöße und blieben in der Defence stabil, aber die routenierten Schweden spielten ganz cool weiter. 8. Spielminute; Michael Feistle verursacht einen Highball-Penalty. Die Schweden konsequent mit dem Tor zur 2:0-Führung. Deutschland gab nicht auf, drängten weiter auf der Suche nach der Lücke in der Abwehr der Schweden. Doch keine Chance: die Lücke war nicht auffindbar. Im Gegenzug nutzten die Schweden jeden Fehler der Deutschen gnadenlos aus, trafen in den verbleibenen 2 Minuten der ersten Halbzeit noch 2 Mal. 4:0 zur Halbzeit die Führung für das schwedische Team. Die Defence der Deutschen heftig am trudeln. In der zweiten Hälfte versuchte Johannes Günther alle Register zu ziehen. Insgesamt nahm er 2 Wechsel vor. Und nun sollten die Deutschen für ihre Mühen belohnt werden. Michael Feistle übernahm die Verantwortung und brachte das deutsche Team zwischenzeitlich auf ein 4:5 heran. Aber zu viele verusachte Penalties und eine instabile Abwehr brachten die Deutschen aus dem Konzept. Schweden baute die Führung immer weiter aus; Deutschland konnte nicht mehr nachziehen. Am Ende mussten die Deutschen ihre zweite Niederlage hinnehmen. Die Schweden gewannen 9:5.

Im zweiten Spiel des Tages gingen die Brasilianerinen an den Start. Der Gegner waren die Damen aus Israel. Die Damen aus Brasilien zeigten vor heimischen Publikum eine gute Defencearbeit, welche aber die Damen aus Israel ebenso gut beherschten. Die Brasilianerinen hatten jedoch auch die bessere Wurftechnik und konnten in der ersten Hälfte 2-fach Treffen. 2:0 zur Halbzeit für die Damen aus Brasilien. Und die spielten sich in der zweiten Hälfte in einen Rausch. 16 Minuten gespielt, die brasilianische Führung wurde um 4 Treffer ausgebaut; 6:0 der Zwischenstand. Die Damen aus Israel erzielten in den restlichen 8 Spielminuten 2 Tore, während Brasilien noch ein mal einnetzte. Am Schluss gewannen die Brasilianerinen souverän mit 7:2.

Das dritte Spiel des Tages sollte das torreichste im bisherigen Goalballturnier werden. Insgesamt fielen bei der Begegnung der Herren aus Algerien gegen Kanada 30 Tore. Wieder mit dabei war der deutsche Schiedsrichter Alexander Knecht als Asisstent. Die Kanadier wollten unbedingt einen Sieg. Das gleiche galt aber auch für die Herren aus Algerien, die ihre bisherigen Spiele alle verloren hatten. Das Spiel begann ausgeglichen. Wann immer Kanada ein Tor erzielte, konnten die Algerianer entsprechend antworten. Nach 6 Spielminuten stand es 3:3. Die Penalty-Chancen in diesem Spiel von beiden Seiten etwa gleich; mal fielen Tore, dann wiederum wurden die Bälle geblockt oder verworfen. Nach den ersten 12 Minuten führte Kanada mit 6:4. Doch nun sollte ein wahres Feuerwerk an Toren folgen. Der Afrikameister Algerien fand auf einmal in einen Wurflauf, den man von ihnen bisher zu selten gesehen hatte. Nach knapp 1 Minute in der zweiten Halbzeit war der Ausgleich für Algerien wiederhergestellt (6:6). Ab diesem Moment flogen die Bälle nur so in die Tore der beiden Mannschaften. Es war alles dabei; von Eigentoren, die zum Anschlusstreffer (9:8) für Kanada führten bis hin zu 7 aufeinander folgenden Toren innerhalb von 3 Minuten. Als der Schlusspfiff fiel, konnten die Zuschauer nicht mehr an sich halten und es kam zu einem Riesenjubel von allen Seiten. Mit einem endgültigen Vorsprung von nur 4 Toren konnten sich die Herren aus Algerien über ihren ersten Sieg aus 4 Spielen freuen. Sie schlugen Kanada mit 17:13.

Im vierten Spiel des Tages kam es zur Wiederauflage des Finales der Paralympics vor 8 Jahren. Diesmal trafen sie schon in der Gruppenphase aufeinander. Die Rede ist von den beiden Herrenteams aus Litauen und China. Im paralympischen Goalballfinale um Gold 2008 siegten die Chinesen knapp gegen Litauen im Penaltyschießen mit 9:8. Die Ansage der Litauer war daher klar: Revanche. Die Chinesen starteten mit einem frühen Treffer in die Partie und ließen bis in die 7. Spielminute keinen Treffer zu. Dann trafen die Litauer jedoch zum Ausgleich (1:1) und legten kurz vor Ende der ersten Hälfte noch zwei Treffer nach. Der Halbzeitstand lautete 3:1 für Litauen. Den besseren Start in die zweite Halbzeit erwischten dann wieder die Chinesen und konnten in der 14. Spielminute bereits zum 3:3 ausgleichen. Doch 2 Minuten später wendete sich das Blatt wieder und die Litauer zogen mit einem weiteren Treffer, sowie einem Penalty-Tor auf 5:3 davon. Im restlichen Spielverlauf trafen die Litauer weitere 4 Mal (2 Penalty-Tore, 2 aus dem Spiel), während China 3 weitere Treffer aus dem Spiel setzen konnte. Jedoch waren es am Ende wahrscheinlich die 2 Penalties gegen China, die ihnen den Sieg gekostet haben. Am Ende gelang die Revanche für Litauen, denn sie bezwangen die Chinesen mit 9:6.

Im fünften Spiel des Tages standen sich die Damen aus Japan und erstmals in diesem Turnier auch persönlich die Damen aus Algerien gegenüber. Die Japanerinen wollten den zweiten Sieg aus 4 Spielen auf ihrem Konto verbuchen. Zwar gingen die Japanerinen schnell in Führung (1:0), doch die Damen aus Algerien fanden besser ins Spiel und konzentrierten sich auf ihre Abwehr; wodurch sie bis in die 8. Spielminute keinen weiteren Treffer zuließen. Erst dann konnten die Japanerinen zwei weitere Treffer landen und Algerien netzte zum ersten Mal in diesem Turnier auch ein. Der Halbzeitstand – 3:1 für die Japanerinen. In der zweiten Hälfte konnten die Algerianerinen nur noch streckenweise von ihrer Abwehr profetieren und Japan nutzte jede kleine Unsicherheit in Angriff und Verteidigung von Algerien aus. Um weitere 4 Tore konnten die Japanerinen ihre Führung ausbauen. Am Ende gelang für Japan der zweite Sieg im vierten Spiel mit 7:1.

Das sechste Spiel bestritten die Damen aus China und Kanada. Die Chinesinen wurden ihrer Favoritenrolle gerecht. In der ersten Hälfte kamen sie besser ins Spiel hinein, die Penalty-Chancen wurden klarer genutzt. Somit der verdiente Halbzeitstand 6:2 für China. In der zweiten Hälfte wurde allerdings die Abwehr der Kanadierinen besser und die Chinesinen zeigten kleine Unsicherheiten in der Abwehr. Doch der Sieg war den Chinesinen am Ende nicht mehr zu nehmen; Sie gewannen gegen Kanada 8:3.

Im siebten Spiel trafen die US-Boys auf das Herrenteam aus der Türkei. Beide Teams gingen sehr diszipliniert in das Spiel. 9 Spielminuten lang sah man eine gute Wurftechnik beider Teams aber ebenso auch eine starke Defenceleistung. Und das spiegelte sich auch in den Toren wieder, der Spielstand bis dahin: 0:0. Auf den Führungstreffer der Türken folgte Prompt der Ausgleichstreffer der US-Boys. Dann hatte die Türkei jedoch noch den stärkeren Wurf zum Schluss der ersten Hälfte parat: Penalty-Tor. 2:1 die Halbzeitführung der Türken. Die Türken wollten weiter die Führung behalten und das passierte auch in der zweiten Hälfte. Die meisten Chancen wurden genutzt; die Abwehr stand. Am Ende siegte die Türkei gegen die USA mit 6:3.

Im achten und letzten Spiel dieses Wettkampftages trafen die Damen aus der Türkei und der Ukraine aufeinander. Für die Türkinen verlief das Turnier bisher ohne Niederlage. An diese Leistung wollten sie natürlich wieder anknüpfen. Das Spiel verlief, wie so oft bei den Damen, sehr defenceorientiert ab. Beide Temas ließen bis in die 6. Spielminute keinen Treffer zu. Dies änderte sich schlagartig eine Minute später. Die Türkinen erzielten ihr erstes Tor und prompt fiel der Ausgleich für die Ukraine durch ein Penalty-Tor (1:1). In den letzten 5 Minuten der ersten Hälfte gelang es den Türkinen wieder die Führung zu übernehmen. 3:1 der Halbzeitstand für die Damen aus der Türkei. In der zweiten Halbzeit ging die Defenceschlacht weiter. Beide Mannschaften schenkten sich nichts und blieben konzentriert, zumindest die Türkei. In der 13. Spielminute erhöhten sie ihre Führung auf 5:1 und zwei Minuten später kam noch ein Penalty-Tor dazu (6:1). Die Ausbeute für die Ukrainerinen in der zweiten Hälfte; nur 2 erzielte Tore. Eines aus dem Spiel heraus und das zweite durch einen Penalty 42 Sekunden vor dem Spielende. Es gewinnen ihr Spiel am Ende mit 6:3 verdient die Türkinen, die damit ungeschalgen die Gruppenphase beenden.

Alle Ergebnisse im Überblick – 5. Wettkampftag (12. September 2016):

Mo., 12.09.2016, 09:00 Uhr* | Gruppe A (Herren) | Schweden – Deutschland           9:5

Mo., 12.09.2016, 10:15 Uhr* | Gruppe C (Damen) | Brasilien – Israel           7:2

Mo., 12.09.2016, 11:30 Uhr* | Gruppe A (Herren) | Algerien – Kanada           17:13

Mo., 12.09.2016, 14:15 Uhr* | Gruppe B (Herren) | Litauen – China           9:6

Mo., 12.09.2016, 15:30 Uhr* | Gruppe C (Damen) | Japan – Algerien           7:1

Mo., 12.09.2016, 18:15 Uhr* | Gruppe D (Damen) | China – Kanada           8:3

Mo., 12.09.2016, 19:30 Uhr* | Gruppe B (Herren) | USA – Türkei           3:6

Mo., 12.09.2016, 20:45 Uhr* | Gruppe D (Damen) | Türkei – Ukraine           6:3

* Die Zeitangaben entsprechen der brasilianischen Ortszeit.

Gruppentabellen im Überblick:

Alle fett-kursiv markierten Mannschaften sind für das Viertelfinale qualifiziert.

Gruppe A:

  1. Brasilien | 3 Spiele | 3 S | 0 U | 0 N | 32:11 Tore | +21 Diff. | 9 Pkt.
  2. Schweden | 3 Spiele | 2 S | 0 U | 1 N | 27:20 Tore | +7 Diff. | 6 Pkt.
  3. Deutschland | 3 Spiele | 1 S | 0 U | 2 N | 20:16 Tore | +4 Diff. | 3 Pkt.
  4. Kanada | 3 Spiele | 1 S | 0 U | 2 N | 23:33 Tore | -10 Diff. | 3 Pkt.
  5. Algerien | 4 Spiele | 1 S | 0 U | 3 N | 25:47 Tore | -22 Diff. | 3 Pkt.

Gruppe B:

  1. Litauen | 3 Spiele | 3 S | 0 U | 0 N | 30:19 Tore | +11 Diff. | 9 Pkt.
  2. USA | 4 Spiele | 2 S | 0 U | 2 N | 21:18 Tore | +3 Diff. | 6 Pkt.
  3. Türkei | 3 Spiele | 2 S | 0 U | 1 N | 17:18 Tore | -1 Diff. | 6 Pkt.
  4. China | 3 Spiele | 1 S | 0 U | 2 N | 18:17 Tore | +1 Diff. | 3 Pkt.
  5. Finnland | 3 Spiele | 0 S | 0 U | 3 N | 13:27 Tore | -14 Diff. | 0 Pkt.

Gruppe C:

  1. Japan | 4 Spiele | 2 S | 1 U | 1 N | 13:8 Tore | +5 Diff. | 7 Pkt.
  2. USA | 3 Spiele | 2 S | 0 U | 1 N | 18:10 Tore | +8 Diff. | 6 Pkt.
  3. Brasilien | 3 Spiele | 2 S | 0 U | 1 N | 15:7 Tore | +8 Diff. | 6 Pkt.
  4. Israel | 3 Spiele | 1 S | 1 U | 1 N | 13:8 Tore | +5 Diff. | 4 Pkt.
  5. Algerien | 3 Spiele | 0 S | 0 U | 3 N | 1:27 Tore | -26 Diff. | 0 Pkt.

Gruppe D:

  1. Türkei | 4 Spiele | 4 S | 0 U | 0 N | 37:11 Tore | +26 Diff. | 12 Pkt.
  2. China | 3 Spiele | 2 S | 0 U | 1 N | 15:12 Tore | +3 Diff. | 6 Pkt.
  3. Kanada | 3 Spiele | 1 S | 0 U | 2 N | 10:22 Tore | -12 Diff. | 3 Pkt.
  4. Ukraine | 3 Spiele | 0 S | 1 U | 2 N | 7:11 Tore | -4 Diff. | 1 Pkt.
  5. Australien | 3 Spiele | 0 S | 1 U | 2 N | 6:19 Tore | -13 Diff. | 1 Pkt.

Für die deutsche Goalball-Nationalmannschaft geht es am Dienstag, 13.09.2016 um 10:15 Uhr Ortszeit im abschließenden Gruppenspiel gegen den Gastgeber aus Brasilien in der ausverkauften Future Arena. Egal wie Deutschland abschneidet – der Einzug ins Viertelfinale ist gesichert.