Rio-Goalball-Guide Teil 3: Zusammenfassung vom Dritten Wettkampftag

Der dritte Tag im Goalball-Wettbewerb bei den Paralympics in Rio geht zu ende und wir nutzen die Gelegenheit, die heutigen 6 Spiele zu beleuchten:

Das erste Spiel fand zwischen den Türkischen und Finnischen Herren statt. Mit der deutschen Vertretung schlecht hin: Alexander Knecht leitete als Hauptschiedsrichter diese Begegnung.

Es sollte die Wiederauflage des letztjährigen Finales der IBSA Europameisterschaft werden. Die Zeichen für die Finnen standen klar auf Revanche. Zunächst leif es auch dementsprechend. Bis in die 3. Spielminute hinein sah man eine saubere Abwehrleistung von beiden Mannschaften und einige Bälle suchten ihren Weg ins Aus. Doch dies änderte sich eine Minute später. Die Finnen bis dahin mit guter Defence hatten in diesem Moment Abstimmungsschwierigkeiten und der Ball landete hinter ihnen im Netz; 1:0-Führung für die Türken. Finnland versuchte die Konzentration hoch zu halten, was sie jedoch nur 2 Minuten lang schafften. Anschließend wieder ein Missverständnis; das 2. Tor der Türken fiel. Knapp 1 Minute später: ein harter Wurf der Türken brachte das 3:0, die finnische Abwehr taumelte. Doch dann die Erlösung für die Finnen: 20 Sekunden später der erste Anschlusstreffer zum 1:3. 27 Sekunden vor Ende der ersten Hälfte verursachten die Türken einen Highball-Penalty. Das ließ sich Finnland nicht nehmen und trafen zum 2:3 Halbzeitstand.

Die zweite Hälfte lief gerade mal 28 Sekunden lang, da trafen die Türken erneut zum 4:2. 1-einhalb Minuten später fiel der Anschlusstreffer für Finnland (3:4). Die Türkei meinte dazu nur: Was die können, können wir auch. 2-einhalb Minuten danach das Tor zur 5:3-Führung. 1 Minute später ein Patzer der Finnen: Longball-Penalty. Die Türkei nutzt die Gelegenheit und erhöht zum 6:3. Doch dabei blieb es nicht; 25 Sekunden später der nächste Treffer für die Türken (7:3). Der finnische Trainer Timo Laitinen hatte genug gesehen; 5:31 Minuten vor Schluss der erste Wechsel der Finnen. Das brachte die nötige Ruhe für seine Mannschaft zurück. 2:36 Minuten vor dem Ende der Anschlusstreffer für Finnland (4:7). 24 Sekunden später folgte der zweite Wechsel der Finnen. Dieser Vorgang wiederholte sich zum dritten Mal 1:30 Minuten vor Schluss. Dann Glück für die Finnen; nach dem Wechsel fiel ein Highball-Penalty gegen Finnland und die Türkei konnte die Chance nicht nutzen. Der Ball wurde gehalten. In der letzten Spielminute fielen für beide Seiten jeweils noch ein Tor, dann beendete Alexander Knecht diese Partie; 8:5 gewinnt die Türkei gegen Finnland.

Im zweiten Spiel trafen die Damen aus der Ukraine und Australien aufeinander. Wie so oft bei den bisherigen Damenspielen zeigten beide Teams glänzede Abwehraktionen und verurschachten keinen einzigen Penalty. Zwar gingen die Australierinen früh in Führung, doch in der 7. Spielminute fiel der Ausgleich für die Ukraine. 1:1 der Halbzeitstand in einer völlig offenen Partie. Dieses Bild wiederholte sich in der zweiten Halbzeit; mit dem Unterschied, dass die Treffer hier relativ spät fielen. 4:56 Minuten vor dem Ende trafen die Damen aus Australien (2:1) und 17 Sekunden vor Schluss der Ausgleichstreffer für die Ukraine (2:2). Damit endete das Spiel mit dem zweiten Remis im bisherigen Turnier.

Das dritte Spiel des Tages sollte ein wahrer Goalball-Krimi zwischen den Mannschaften aus Litauen und den USA werden. In der ersten Hälfte starteten die US-Boys besser in die Partie und lagen schnell mit 2:0 in Führung, doch unnötige Penalties und Unkonzentriertheiten in den Reihen der USA führten zum 2:2-Ausgleich für Litauen. Danach übernahmen die Litauer die Kontrolle über das Spiel und lagen bis 4 Minuten vor Ende der ersten Halbzeit mit 4:2 vorne. Doch den USA gelang es das Blatt zu wenden und so lautete der Halbzeitstand 4:4. Die zweite Hälfte begann mit einem frühen Toreschlag-Abtausch. Erst gelang den Litauern die frühe Führung, doch ein Penalty gegen Litauen eine Minute später ermöglichte den US-Boys den Ausgleich. Im selben Moment danach hohlten sich die Litauer die Führung zurück. 6:5 der Zwischenstand, beide Teams kämpften um jeden Ball. In den folgenden 4 Minuten wurden einige Penalty-Chancen auf beiden Seiten liegen gelassen und viele Bälle ins Aus gesetzt. Doch dann gelang es den US-Boys die Abwehr von Litauen erneut zu überwinden und auszugleichen (6:6). Dafür revanchierten sich die Litauer; 25 Sekunden später stand es 7:6 für Litauen. 3:37 Minuten vor dem Ende verursachten die Litauer einen Highball-Penalty; die Folge: erneut der Ausgleich für die USA (7:7). Doch das gleiche Spiel geschah keine Minute später für die US-Boys. Litauen nahm das Geschenk dankend an; 8:7 wieder die Führung. In den verbleibenden 2 Minuten der zweiten Hälfte drängten die USA auf den Ausgleich, doch es sollte nichts mehr bewirken. Der Endstand in diesem Goalball-Krimi: 8:7 für Litauen.

Im vierten Spiel trafen die Damen aus China und Türkei aufeinander. Für die Chinesinen sollte es der erste Sieg werden, nach dem man im Auftatktspiel gegen die USA überraschend verlor. Doch das Glück stand auch diesmal nicht auf den Seiten der Chinesinen. Schnell lagen sie mit 3:0 hinten und konnten die türkische Abwehr nicht durchbrechen. Hinzu kam noch ein Penalty gegen China mit dem 4:0-Treffer für die Türkinen. Erst 4:28 Minuten vor Ende der ersten Halbzeit gelang es China eine Penalty-Chance zu nutzen und auf 1:4 zu verkürzen. An diesem Stand änderte sich auch in der restlichen Zeit nichts. 4:1 der Halbzeitstand für die Türkei.

Die zweite Hälfte begann mit einer Auswechselung der Chinesinen und nach 1,5 Minuten mit gleich 2 Toren für die Türkinen (6:1). In der 16. Spielminute wechselte die Trainerin der Chinesinen, Wenxia Liu, erneut aus; gefolgt von einem weiteren Wechsel der Chinesinen in der 20. Spielminute. 20 Sekunden nach diesem Wechsel erzielten die Chinesinen ihren nächsten Anschlusstreffer (2:6), gefolgt vom nächsten Tor der Türkinen (7:2), 19 Sekunden später. In den letzten 2 Spielminuten wechselte der türkische Trainer Ali Tekce gleich 3 Mal aus; der letzte Wechsel der Chinesinen folgte 43 Sekunden vor Spielende. Die Türkei siegte damit 7:2 gegen China.

Im fünften Spiel wollten unsere deutschen Herren an den Sieg gegen Algerien anknüpfen, um sich den vorzeitigen Einzug ins Viertelfinale zu sichern. Mit einem Sieg gegen die Herren aus Kanada wäre diese Hürde gemeistert. Doch der Start für das deutsche Team um Trainer Johannes Günther verlief anders als geplant. In der ersten Spielminute fielen gleich 2 Tore für Kanada. Die Deutschen noch sehr nervös, kamen ab der 3. Spielminute wieder ran. 1:2 der Spielstand. In den folgenden 8 Spielminuten versuchte Deutschland alles daran, den Ball irgendwie in das kanadische Tor zu bekommen. Doch die Würfe wurden entweder geblockt, ins Aus gesetzt oder trafen das Alluminium. 4 Minuten vor dem Ende der ersten Hälfte wechselte Johannes Günther das erste Mal aus; für Thomas Steiger kam Reno Tiede auf das Feld. 38 Sekunden nach dem Wechsel ein zu hoch angesetzter Ball; Highball-Penalty gegen Oliver Hörauf. Der anschließende Wurf der Kanadier fand den Weg ins deutsche Tor; 3:1 die Führung für Kanada. In den letzten 2 Minuten der ersten Halbzeit erhöht Kanda auf 4:1, Deutschland brachte mit einem schnellen Konter den Ball über die Linie; der Anschlusstreffer zum 2:4. Die letzte Spielminute der ersten Hälfte brach an und Michael Feistle schaffte es, seinen dritten Treffer zu setzen (3:4). Einmal wurde es noch für die Deutschen gefährlich; 10 Sekunden vor der Halbzeit noch ein Highball-Penalty gegen Michael Feistle, der Wurf von den Kanadiern aber zu unplatziert; der Ball landete im Aus. 3:4 der Halbzeitstand aus deutscher Sicht; ein Rückstand, den es noch aufzuholen galt, wenn man heute zum zweiten Mal gewinnen wollte.

Die Halbzeitansprache von Trainer Johannes Günther eindeutig; mehr Entschlossenheit in die Würfe legen und die Abwehr stabilisieren. Doch zu Beginn der zweiten Hälfte das gleiche Bild wie in der ersten; ein frühes Tor erhöht den Rückstand der Deutschen auf 3:5. 2-einhalb Minuten später ein Highball-Penalty gegen Kanada; die Chance für Deutschland zu verkürzen. Und Michael Feistle ließ sich das nicht nehmen; er bringt die Deutschen auf 4:5 wieder ran. Trainer Johannes Günther bringt 8 Sekunden später für Reno Tiede Thomas Steiger zurück auf das Feld. In der 16. Spielminute trifft Kanada erneut zum 6:4. 1 Minute und 40 Sekunden später erzielt Michael Feistle den erneuten Anschlusstreffer zum 5:6. 4:21 Minuten vor dem Ende verursacht Oliver Hörauf erneut einen Penalty, welcher von den Kanadiern sicher verwandelt wird. 7:5 die Führung für Kanada, der Abstand von 2 Toren wiederhergestellt. Das deutsche Team und Johannes Günther geben in den restlichen 4 Minuten Spielzeit alles, um noch wenigstens den Ausgleich zu erzielen. Mit einem Doppel-Wechsel (Stefan Hawranke für Thomas Steiger und Thomas Steiger für Stefan Hawranke) versuchten sie die Kanadier aus dem Konzept zu bringen und steigerten noch einmal die Offensive. Doch am Ende reichte es nicht aus: Deutschland verliert das zweite Spiel gegen Kanada knapp mit 5:7.

Das sechste und letzte Spiel des Tages wieder mit viel Aufregung verbunden, denn die Damen aus Algerien sind zu ihrem zweiten Spiel gegen die Damen aus Israel nicht erschienen. Mittlerweile wurde bekannt, dass die Algerianerinen noch gar nicht in Rio angekommen waren. Damit hob das Internationale Paralympische Komitee die angekündigte Suspensierung von den restlichen algerianischen Mannschaften und Offiziellen wieder auf. Die Damen aus Israel wurden damit automatisch mit einem 10:0-Sieg belohnt.

Alle Ergebnisse im Überblick – 3. Wettkampftag (10. September 2016):

Sa., 10.09.2016, 09:00 Uhr* | Gruppe B (Herren) | Türkei – Finnland           8:5

Sa., 10.09.2016, 10:15 Uhr* | Gruppe D (Damen) | Ukraine – Australien           2:2

Sa., 10.09.2016, 13:15 Uhr* | Gruppe B (Herren) | Litauen – USA           8:7

Sa., 10.09.2016, 14:30 Uhr* | Gruppe D (Damen) | China – Türkei           2:7

Sa., 10.09.2016, 17:30 Uhr* | Gruppe A (Herren) | Deutschland – Kanada           5:7

Sa., 10.09.2016, 18:45 Uhr* | Gruppe C (Damen) | Israel – Algerien           10:0 **

* Die Zeitangaben entsprechen der brasilianischen Ortszeit.

** Aufgrund wegen Nichtantritts automatischer Spielgewinn.

Gruppentabellen im Überblick:

Gruppe A:

  1. Brasilien | 2 Spiele | 2 S | 0 U | 0 N | 20:9 Tore | +11 Diff. | 6 Pkt.
  2. Deutschland | 2 Spiele | 1 S | 0 U | 1 N | 15:7 Tore | +8 Diff. | 3 Pkt.
  3. Schweden | 2 Spiele | 1 S | 0 U | 1 N | 18:15 Tore | +3 Diff. | 3 Pkt.
  4. Kanada | 2 Spiele | 1 S | 0 U | 1 N | 10:16 Tore | -6 Diff. | 3 Pkt.
  5. Algerien | 2 Spiele | 0 S | 0 U | 2 N | 6:22 Tore | -16 Diff. | 0 Pkt.

Gruppe B:

  1. Litauen | 2 Spiele | 2 S | 0 U | 0 N | 21:13 Tore | +8 Diff. | 6 Pkt.
  2. Türkei | 1 Spiel | 1 S | 0 U | 0 N | 8:5 Tore | +3 Diff. | 3 Pkt.
  3. USA | 2 Spiele | 1 S | 0 U | 1 N | 12:10 Tore | +2 Diff. | 3 Pkt.
  4. China | 1 Spiel | 0 S | 0 U | 1 N | 2:5 Tore | -3 Diff. | 0 Pkt.
  5. Finnland | 2 Spiele | 0 S | 0 U | 2 N | 11:21 Tore | -10 Diff. | 0 Pkt.

Gruppe C:

  1. Israel | 2 Spiele | 2 S | 0 U | 0 N | 11:1 Tore | +10 Diff. | 4 Pkt.
  2. Japan | 2 Spiele | 1 S | 1 U | 0 N | 3:2 Tore | +1 Diff. | 4 Pkt.
  3. USA | 2 Spiele | 1 S | 0 U | 1 N | 13:7 Tore | +6 Diff. | 3 Pkt.
  4. Brasilien | 2 Spiele | 1 S | 0 U | 1 N | 8:5 Tore | +3 Diff. | 3 Pkt.
  5. Algerien | 2 Spiele | 0 S | 0 U | 2 N | 0:20 Tore | -20 Diff. | 0 Pkt.

Gruppe D:

  1. Türkei | 2 Spiele | 2 S | 0 U | 0 N | 19:6 Tore | +13 Diff. | 6 Pkt.
  2. China | 2 Spiele | 1 S | 0 U | 1 N | 7:9 Tore | -2 Diff. | 3 Pkt.
  3. Ukraine | 1 Spiel | 0 S | 1 U | 0 N | 2:2 Tore | 0 Diff. | 1 Pkt.
  4. Australien | 2 Spiele | 0 S | 1 U | 1 N | 4:7 Tore | -3 Diff. | 1 Pkt.
  5. Kanada | 1 Spiel | 0 S | 0 U | 1 N | 4:12 Tore | -8 Diff. | 0 Pkt.

Für unsere deutschen Herren geht es am Montag, 12. September 2016 um 09:00 Uhr Ortszeit im „Europa-Derby“ gegen Schweden weiter.