21.07.2007: Weltjugendspiele in Colorado Springs/USA – eine Reise zu Gold und Silber

Weltjugendspiele in Colorado Springs/USA – eine Reise zu Gold und Silber



Nach intensiven Vorbereitungen und Trainingslagern ging die Reise am 9. Juli endlich los. Sehr müde, aber doch glücklich am Ziel zu sein, bezogen wir am späten Abend unsere Unterkunft im Colorado College. Am nächsten Tag erkundeten wir gemeinsam das Gelände und die Umgebung. Durch die Erfahrungen zwei Jahre zuvor, war den Betreuern die Örtlichkeit sehr vertraut und das Einleben verlief schnell und reibungslos. Womit wir allerdings zu kämpfen hatten, war die Zeitumstellung von acht Stunden und die extreme Höhenlage der Stadt und das andere Klima. Glücklicherweise durften wir vom DBS entsendet zwei Tage früher anreisen, was uns am Ende sicher einen großen Vorteil, im Gegensatz zu den spätangereisten Mannschaften, gebracht hat.



Das erste große Erlebnis war ein Besuch in einem Ferienlager, das von USABA organisiert wurde. Dort sollten Kinder im Alter von 4-12 Jahren Menschen mit Behinderungen aus verschiedenen Ländern kennenlernen. Zuerst demonstrierten einige Spieler Goalball und im Anschluss daran durften die begeisterten Kinder selbst spielen. Dann gab es eine Fragerunde, in der die Kinder die Spieler und Betreuer über das Leben in Deutschland ausfragen durften. Das Ganze verlief mit sehr viel Spaß und Lachen, so dass am Ende viele Photos gemacht und viele Autogramme auf die T-Shirts der Kinder gegeben wurden. Die gesamte Delegation war überwältigt von dem tollen Empfang und die Kinder wollten uns ebenfalls nur mit vielen Umarmungen und sogar Tränen gehen lassen. Mit einem Mal hatten wir in den USA einen 100köpfigen Fanclub, der uns tatsächlich während unseres Wettkampfes anfeuerte.



Vollkommen motiviert von dieser ersten Erfahrung ging es in ein zweistündiges lockeres Training, um uns an die Halle und vor allem die sportliche Betätigung in der Höhe zu gewöhnen. Das frühere Ankommen war auch hier ein Vorteil, denn wir konnten an allen Tagen vorher die Halle nutzen und uns bestens vorbereiten.



Auch der Mittwoch, der eigentliche Anreisetag für viele Mannschaften, war von Trainingseinheiten geprägt. Eine gemeinsame zweistündige Einheit durften die Jungen und Mädchen am Vormittag in der großen Halle bestreiten und eine Verbesserung zum Vortag war deutlich zu spüren. Durch das gemeinsame Training profitierten, wie in den Trainingslagern auch, beide Teams voneinander, um sich an die verschiedensten Spielweisen zu gewöhnen. Eine kleine Erholungspause gab es über Mittag, um dann am Nachmittag noch einmal eine Trainingseinheit, diesmal in der anderen Halle, zu absolvieren. Alle waren in guter Stimmung und auch die Akklimatisierung verlief sehr gut.



Am Donnerstag durften wir erneut am Vormittag und am Nachmittag trainieren und das Training verlief wiederum sehr gut und die Spieler(innen) und Betreuer waren bester Dinge.



Nach einem verfrühten Abendbrot ging es um 17.30 Uhr zum Sammeln in die große Halle. Dort trafen sich alle Teams um dann nacheinander in das große Footballstadion ein zu marschieren. Zuvor gab es viele Mannschaftsphotos und die brasilianische und mexikanische Delegation brachten mit ihren lauten Sprechgesängen und Liedern die Halle zum Kochen. Der Einmarsch in das Stadion erzeugte Gänsehaut, denn viele Besucher und vor allem „unsere“ Fankinder begrüßten uns lauthals. Mit mitreißender afrikanischer Musik und Tanz und inspirierenden Reden von ehemaligen olympischen und paralympischen Teilnehmern wurden die Jugendspiele eröffnet. Es hieß dann zeitig ins Bett zu gehen, denn das erste Spiel der Jungen gegen die USA sollte schon um 8.00 Uhr stattfinden.



An 2 Wettkampftagen (eindeutig zu kurz) fanden insgesamt 14 Spiele (6 für die Jungen und 8 für die Mädchen) statt, die sorgfältig geplant und koordiniert werden mussten. Einen großen Dank meinen 3 Co – Trainerinnen, die stets ihren großen Anteil zum Gelingen dieses Projekts beigetragen haben.



In der Vorrundengruppe der Jungen befanden sich die USA, Canada und Thailand. Beim ersten Spiel gegen die Mannschaft der USA konnte man die Aufregung der Spieler deutlich spüren. Sie waren noch nicht ganz in ihrem Element und ließen das Spiel vorrangig durch die amerikanischen Jungen bestimmen, so dass das Spiel leider verloren ging. Das nächste Spiel gegen Canada schien zunächst auch gegen uns zu laufen, denn schon nach 3 Minuten lagen wir 0:3 hinten. Aber dieses Spiel wollten sich unsere Jungen nicht nehmen lassen, ihr Kampfgeist war geweckt und nach einem spannenden Spiel gewann unsere Mannschaft. Trotz allem gratulierten sich die Spieler beider Nationen anschließend und zollten sich Respekt und es entstanden sogar neue Freundschaften. Das letzte Spiel der Vorrunde war gegen Thailand, der ein sehr flinker und zäher Gegner sein kann. Dennoch gewannen wir dieses Spiel. Für die Jungen war damit dieser erste Wettkampftag bestritten und ein zweiter Platz für das Viertelfinale gesichert.



Die Mädchen hatten an diesem Tag 5 Spiele zu bestreiten. Es waren außer Deutschland insgesamt 3 weitere Mädchenteams angereist (USA, Canada und Russland), so dass eine Doppelrunde und im Anschluss das Halbfinale gespielt wurde. Der tolle Zusammenhalt aller Spielerinnen, ihre positive Einstellung, tolle Würfe und stabile Abwehr ließen sie an diesem Tag 4 von 5 Spiele gewinnen. Gegen Russland und Canada wurde im zweiten Spiel sogar ein vorzeitiger Spielabbruch mit 10 Toren Vorsprung erreicht. Allein gegen die USA sollte es nicht ganz reichen.



Es folgte der große Finaltag und dieser begann mit dem letzten Vorrundenspiel der Mädchen gegen die USA. Auch diesmal sollte es nach einer starken und ausgeglichenen ersten Halbzeit nicht für die deutschen Spielerinnen zu einem Sieg reichen.


Die Mädchen spielten am Nachmittag das Halbfinalspiel gegen die Spielerinnen aus Russland. Unsere deutschen Mädchen waren stark motiviert und zeigten eine tolle Abwehr und einen super Angriff. Klasse Tore von allen Spielerinnen ermöglichten einen Sieg gegen die russische Mannschaft. Dabei wurden sie wiederum lautstark vom Jungenteam unterstützt.



Die Jungen durften im Viertelfinalspiel auf die russische Mannschaft treffen. Russland war ein schwer einzuschätzender Gegner, dennoch gelang es unserem Team mit einem grandiosen 10:0 Sieg in der ersten Halbzeit ins Halbfinale einzuziehen, wo die Mannschaft aus Ungarn auf uns wartete. Dieses Spiel sollte ein wahrer Krimi werden. Die Ungarn zeigten eine sehr starke Abwehr und auch schwer abzuwehrende Bounce-Bälle. Zunächst schien das Spielniveau auf beiden Seiten gleich, immer wieder fielen auf beiden Seiten die ausgleichenden Tore, sodass keine Mannschaft davonziehen konnte. Dann gelang es Ungarn 2 Tore Vorsprung zu erlangen, und erst 38 Sekunden vor Ende des Spieles konnten wir einen 7:7 Ausgleich erreichen, womit eine Spielverlängerung mit Golden Goal Regel erreicht wurde. Nach erneutem Anpfiff knisterte es in der Halle und nach einigen wenigen Ballwechseln gelang es unserer Mannschaft den Siegtreffer zu erzielen. Die Freude über den Finaleinzug und das Abfallen der Anspannung ließen Jungen, Mädchen und Betreuer mit Tränen sich umarmen.



Nach einem stärkenden Abendbrot ging es für die Mädchen gegen die Mannschaft der USA ins Finale. Silber war schon sicher, aber würde die Kraft und Motivation für Gold reichen? Mit einem sehr guten Start und einem kleinen Vorsprung für uns sah es zunächst sehr gut aus. Dennoch war die Abwehr der amerikanischen Mädchen sehr stark und einige grobe Abwehrfehler unsererseits entfernten uns weiter von unserem Ziel. Leider mussten wir uns gegen die Mannschaft der amerikanischen Mädchen geschlagen geben, aber wir hatten doch Silber gewonnen und sind Vizeweltmeister!!! Unsere Mädchen, vollkommen psychisch und physisch erschöpft nach 2 harten Wettkampftagen ließen den Tränen freien Lauf und ließen sich von den Betreuern einen kurzen Moment trösten.



Denn das anschließende Spiel war das Finale der Jungen ebenfalls gegen die USA. Wiederum versprach dieses Spiel ein wahrer Krimi zu werden. Die deutschen Mädchen, viele andere Mannschaften und unser Kinderfanclub auf der Tribüne unterstützten unsere Jungen lautstark auf diesem Weg zum möglichen Gold. Wiederum endete die erste Halbzeit ausgeglichen. Auch nach der Pause war es spannend und dann sammelten unsere Jungen alle körperlichen und geistigen Kräfte, um sich gegen die amerikanischen Jungen abzusetzen. Einmal dieser Durchbruch geschafft, lag die Abwehr der USA offen und wir konnten mit einem 10:5 Sieg dieses grandiose Finalspiel beenden. Alle stürmten aufs Feld, die Emotionen schäumten über, alles lag sich in den Armen und sogar vormalige Gegner kamen um zu gratulieren und Anerkennung für tolle Leistung zu zollen. Wir sind Jugendweltmeister!!!!



Die Siegerehrung erfolgte am nächsten Tag im Rahmen der Abschlussveranstaltung, jeder einzelne Spieler war froh und glücklich, endlich sein Edelmetall in den Händen halten zu dürfen. Anschließend gab es wieder viele Photos und viele Gespräche mit neuen Freunden aus aller Welt. Wir freuen uns für unsere Jugendlichen, dass sie dieses Erlebnis und einen solchen Triumph erfahren durften.



Dennoch ist auch dies alles nur durch eine gute Vorbereitung während zahlreicher (meist selbst finanzierter) Trainingslehrgänge möglich gewesen. Besonders durch das Konzept der gemeinsamen Trainingslager konnten beide Teams profitieren und bildeten mit den Betreuern eine starke harmonische Einheit, die durch das einmalige Erlebnis Jugend WM Colorado Springs noch verfestigt wurde. Ein besonderes Dankeschön sprechen wir dem DBS aus, der uns diese Reise erst ermöglicht hat. Besonders im Nachhinein war deutlich festzustellen, dass die vorzeitige Anreise für unsere Mannschaften einen Vorteil gegenüber den anderen Teams ausmachte. Schade nur, dass keine weiteren Sportler aus Deutschland an diesem Ereignis teilgenommen haben.



Auch möchten wir den Eltern danken, die uns ihr Vertrauen für dieses Projekt entgegenbrachten und immer hinter uns standen.


Auch die harmonische Zusammenarbeit des Betreuerstabes, die aus jahrelanger Zusammenarbeit resultiert, ist hervorzuheben.


Ebenso möchten wir all unseren Sponsoren für Trikots und Bekleidung danken, die uns ein tolles einheitliches und sportlich effektives Erscheinungsbild ermöglichten.



Diese Reise mit all ihren Erfahrungen und sportlichen Höhepunkten wird keiner von uns je vergessen!



Knut Kursawe



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