Deutsche Delegation zur Weltmeisterschaft nach Espoo/Finnland

Am Donnerstagvormittag hebt die deutsche Delegation in Richtung Norden ab. Das genaue Ziel ist die IBSA-Goalball-Weltmeisterschaft im finnischen Espoo. Sowohl die Männer als auch die Frauen haben sich bei der letztjährigen Europameisterschaft in Konya/Türkei für die WM qualifiziert. Für fast alle Spielerinnen und Spieler ist es die erste Weltmeisterschaft in ihrer zumeist noch jungen Goalballerkarriere. Lediglich Friebel (25), Tiede (24) und Hawranke (29) durften für die Männer bereits WM-Spiele bestreiten. Bisher noch gar keine WM-Erfahrung haben hingegen die deutschen Spielerinnen. Die Spiele beginnen am Montag in den Hallen Tapiola und Summa. Beide Teams werden in den verbleibenden drei Tagen noch mehrere Trainingseinheiten absolvieren und können sich so an die Gegebenheiten vor Ort gewöhnen.

Doppeltes Pech für den zweifachen Weltmeister  

1980 gewannen die deutschen Männer paralympisches Gold. 1978 und 1990 stand Deutschland als Weltmeister und 2007 als U19-Weltmeister auf dem Treppchen. Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft stehen jedoch andere Ziele im Fokus. Da die Ausgangslage durchaus hätte besser sein können. Die Gruppenauslosung macht den Viertelfinaleinzug zu einer Mamutaufgabe. Dabei geht es gegen die Kontinentalmeister Iran und Algerien, gegen den Gastgeber und Paralympicsieger Finnland, Vizeeuropameister Spanien, den Medaillenfavorit Tschechien, die WM-Bronzegewinner und erfolgsverwöhnten US-Boys, sowie gegen die Ukraine. Diese Auslosung macht diese Gruppe zu der absoluten „Mördergruppe“. Hinzu kommt, dass Deutschland auf den Chemnitzer Martin Burkhardt (23 Jahre) verzichten muss. Der Stammspieler zog sich im Vereinstraining der Ascota eine schwere Verletzung am Meniskus zu und kann somit nicht eingreifen.

„Obwohl wir erst zu Beginn des Monats den Intercup in Malmö gewinnen konnten, besitzen wir nur Außenseiterchancen. Denn die Auslosung für die WM, für die sich bei den Männern insgesamt 16 Nationen qualifiziert haben, bescherte uns mit der Gruppe A eine wahre Todesgruppe.“, so der Cheftrainer Johannes Günther (31 Jahre) kurz vor dem Abflug nach Finnland.

Sein Vertrauen, sowie dass des Co-Trainers Stefan Weil (37 Jahre) genießen Stefan Hawranke (29) vom SSV Königs Wusterhausen, Michael Feistle (21) vom Meister aus Marburg, der Newcomer Oliver Hörauf (17) vom BFV Ascota Chemnitz sowie die Akteure des RGC Hansa Christian Friebel (25) und der Bundesligatorschützenkönig Reno Tiede (24). Friebel und Tiede waren 2007 an der „Mission Gold“ bei der U19-WM beteiligt. Das Team wird unterstützt von der Physiotherapeutin Anna Heller (28) sowie vom Scout und Spielanalyst Tobias Vestweber (23). Somit geht das deutsche Team mit einem Altersdurchschnitt von 23,2 Jahren an den Start.

WM-Debut für alle deutschen Spielerinnen

Vor genau acht Jahren zeigten sich die deutschen Frauen zum letzten Mal auf der großen WM-Bühne. Für die WM 2010 waren sie nicht qualifiziert. Nun ist es endlich wieder soweit und der deutsche Frauengoalball kann wieder im Geschäft der besten zwölf Nationen mitmischen. Für diese anspruchsvolle Aufgabe hat der Cheftrainer Thomas Prokein fünf Spielerinnen nominiert. Mit Imke Fritsche (16) und Francesca Richter (14) betreten zwei seines Teams erstmals überhaupt internationalen Boden im Frauengoalball. Beide spielen in der Bundesliga für den VfL Blau Weiß Neukloster. Vom zweiten mecklenburgischen Club, dem RGC Hansa, wurde Natascha Bretzke (23) nominiert. Vom paralympischen Trainingsstützpunkt in Marburg kommen Charlotte Hartz (19) sowie Swetlana Otto (22). Otto landete bei der EM 2013 auf dem zweiten Platz der Torschützenliste. Auf ihre Würfe wird es wohl auch bei der Weltmeisterschaft ankommen. Nicht dabei sein kann die erfahrene Centerin Stefanie Schindler. Sie wird Prokein erst wieder nach der WM zur Verfügung stehen. „Aus personeller Sicht musste die Centerposition neu besetzt werden, welche nach mehreren Optionen durch Charlotte Hartz ausgeführt wird.“, verrät Prokein. Das Trainerteam wird durch Ines Prokein als Co-Trainerin und Hans Göbel als Physiotherapeut komplettiert.

Doch ähnlich wie bei den Männern hätte die Gruppe kaum härter sein können. Mit Japan starten die Frauen mit dem Paralympicssieger als Gegner ins Turnier. Außerdem folgt der Europameister Russland, der Vizeeuropameister Türkei, die USA und der Gastgeber Finnland. „Die Nominierung zur WM ist sehr positiv, um sich mit der internationalen Spitze messen zu können, wenngleich es eine enorme sportliche Herausforderung ist. Die Gruppe ist gespickt mit Spitzenteams. Wir müssen versuchen sofort in das Turnier reinzukommen, um das gesteckte Ziel Viertelfinale zu erreichen.“ Zeigt der Cheftrainer sich kämpferisch.

Der Spielplan der Deutschen: (DEUTSCHE Zeit)

Montag, den 30. Juni
10:00 – Männer – Iran Vs. Deutschland – in Tapiola (Halle A) (LIVE im Web)
12:00 – Frauen – Japan Vs. Deutschland – In Tapiola (LIVE im Web)
17:00 – Männer – Deutschland Vs. Spanien – in Summa (Halle B)

Dienstag, den 1. Juli
09:00 – Männer – Algerien Vs. Deutschland – in Tapiola (LIVE im Web)
10:00 – Frauen – Deutschland Vs. Russland – in Summa
15:00 – Männer – Finnland Vs. Deutschland – in Summa

Mittwoch, den 2. Juli
08:00 – Frauen – Finnland Vs. Deutschland – in Tapiola (LIVE im Web)
10:00 – Männer – USA Vs. Deutschland – in Tapiola (LIVE im Web)
14:00 – Männer – Deutschland Vs. Ukraine – in Tapiola (LIVE im Web)

Donnerstag, den 3. Juli
09:00 – Frauen – Türkei Vs. Deutschland – in Summa
15:00 – Frauen – Deutschland Vs. USA – in Tapiola (LIVE im Web)
16:00 – Männer – Deutschland Vs. Tschechien – in Summa

Alle Spiele in der Tapiola Halle werden im Web Live übertragen: http://areena.yle.fi/tv/urheilu Hier müsst ihr nach dem finnischen Wort für Goalball “Maalipallo” suchen und eingeben. Alle weiteren Informationen rund um die WM findet ihr auch unter www.goalball2014.fi